Operation Souveränität: Der Bundestag probt den Befreiungsschlag (Ein Kommentar)
Der Kern: Deutschland und Europa versuchen endlich, die Fesseln der US-Tech-Giganten zu lösen. Ein wichtiger Schritt, doch wir sind spät dran.
Es ist eine Nachricht, die aufhorchen lässt: Eine fraktionsübergreifende Kommission im Bundestag prüft derzeit den Ausstieg aus dem Microsoft-Ökosystem. Was jahrelang als „alternativlos“ galt, steht nun massiv auf dem Prüfstand. Die „Operation Souveränität“ hat begonnen.
Warum jetzt? Der Druck wächst
Frankreich hat es vorgemacht und verbannt Microsoft Teams und Zoom aus seinen Behörden, um bis 2027 auf die staatseigene Lösung „Visio“ umzusteigen. Auch das EU-Parlament fordert einen digitalen Befreiungsschlag. Der Grund ist simpel, aber beunruhigend: US-Gesetze wie der CLOUD Act erlauben amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten, egal wo sie gespeichert sind. Das ist für europäische Behörden ein untragbares Sicherheitsrisiko.
Die späte Einsicht
Man muss ehrlich sein: Europa ist spät dran. Während wir jahrelang bequem Lizenzen bei Microsoft, Google und Co. abonniert haben, ist die Abhängigkeit in die Tiefe unserer Infrastruktur gewachsen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 79 Prozent der Deutschen einen besseren Schutz vor Übernahmen unserer Tech-Unternehmen durch Nicht-EU-Investoren fordern. Das Bewusstsein in der Bevölkerung ist also da – jetzt muss die Politik liefern.
Merksatz: „Digitale Souveränität ist kein Luxusgut, sondern die Grundvoraussetzung für eine handlungsfähige Demokratie.“
Der kritische Blick: Die Seite, die wir oft übersehen
Wir schimpfen schnell über die Abhängigkeit, aber die Wahrheit ist: Es fehlt uns aktuell an einer echten europäischen „All-in-One“-Alternative, die so reibungslos funktioniert wie Microsoft 365. Der Wechsel zu Open Source ist kein Selbstläufer; er erfordert Investitionen in Milliardenhöhe und eine radikale Umstellung der Arbeitsweise. Nur zu sagen „Wir wollen weg von Microsoft“ reicht nicht, wenn wir kein stabiles Fundament haben, auf dem wir landen können.
Mein Fazit als angehende ITlerin
Während der Bundestag noch über Pläne brütet, habe ich meinen eigenen Server in die Cloud gehievt. Es zeigt: Unabhängigkeit ist möglich, wenn man bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln. Es ist Zeit, dass die Politik das im großen Stil tut.
Schlaue Fragen zum Nachdenken:
- Ist Bequemlichkeit (Software, die „einfach funktioniert“) uns wichtiger als die Kontrolle über unsere eigenen Daten?
- Warum haben wir es versäumt, in den letzten 20 Jahren ein echtes europäisches Gegengewicht zu den US-Riesen aufzubauen?
- Kann Open Source allein die Lösung sein, wenn es an der notwendigen Finanzierung und Wartung durch den Staat mangelt?