Schutzraum oder Sperrzone? Warum wir Jugendliche bestrafen statt Täter zu jagen

Schutzraum oder Sperrzone? Warum wir Jugendliche bestrafen statt Täter zu jagen
KI Generiert J.RaBe

Der Kern: Social-Media-Verbote für Jugendliche sind das digitale Äquivalent zu „Zieh dich nicht so kurz an“. Wir schränken die Opfer ein, weil wir unfähig oder unwillig sind, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Debatte um ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige kocht hoch. Doch schauen wir uns die Argumente mal genau an: Wir reden über Suchtgefahren, Cybermobbing und gefährliche Challenges. Aber wir reden kaum über die Strukturen dahinter. Warum ist die Antwort der Politik ein Ausschluss der Jugend, während Plattformen weiterhin Rückzugsräume für Männer bieten, die das Netz für Missbrauch, Drohungen und die Jagd auf Schwächere nutzen?

Die falsche Frontlinie

Es ist eine bittere Ironie: Wir wollen Kinder vor dem Internet schützen, aber wir schützen das Internet nicht vor den Menschen, die es vergiften. Wir wissen von Foren, in denen Männer sich verabreden, um Frauen zu betäuben oder Minderjährige in den Suizid zu treiben. Doch statt diese Netzwerke mit der vollen Härte des Gesetzes und technischer Überwachung zu zerschlagen, diskutieren wir darüber, Jugendlichen das Smartphone wegzunehmen.

„Ein Verbot für Jugendliche ist kein Schutz, sondern eine Kapitulation vor der Kriminalität im Netz.“

Das Modell Finnland: Bildung statt Verbote

Warum schauen wir nicht nach Finnland? Dort ist Medienkompetenz kein Schulfach, sondern ein fächerübergreifendes Prinzip. Kinder lernen von klein auf, wie Algorithmen funktionieren, wie man Fake News erkennt und wie man sich gegen Übergriffe wehrt. In Deutschland hängen wir immer noch in einer Struktur fest, die IT-Probleme durch „Wegsperren“ lösen will. Wir brauchen keine Mauern um unsere Kinder, wir brauchen eine Rüstung aus Bildung für sie – und Handschellen für die Täter.

Der kritische Blick: Was wir außer Acht lassen

Wenn wir Jugendliche komplett aus den sozialen Medien aussperren, drängen wir sie in unregulierte Räume. Wer unter 14 kein Instagram darf, landet vielleicht auf Plattformen, die noch weniger moderiert sind und wo der Staat überhaupt keinen Zugriff mehr hat. Ein Verbot schafft keinen Schutzraum, sondern ein Informationsvakuum.


Schlaue Fragen zum Nachdenken:

  1. Warum investieren wir mehr Energie in die Debatte über Verbote als in die strafrechtliche Verfolgung von digitaler Gewalt?
  2. Ist ein Social-Media-Verbot für Kinder nicht eigentlich ein Freifahrtschein für Plattform-Betreiber, sich aus der Verantwortung für die Sicherheit ihrer User zu ziehen?
  3. Wie würde ein Schulsystem aussehen, das Kinder zu digitalen „Resilienz-Profis“ macht, statt sie als „wehrlose Opfer“ zu behandeln?

Jennifer Rautenberg

Deutschland, NRW